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15
Apr
2007

Schweigen

Gleich zwei... Hätte ich noch vor einem Jahr gedacht, daß es eine Zeit geben würde, wo ich mir jede Nacht die Stunden um die Ohren schlage? Wann bin ich, seitdem ich draußen bin, jemals vor zwei ins Bett gegangen?

Die Nacht ist was besonderes, auch wenn ich es nicht genau benennen kann. Klar, Deckmantel für so vieles, schützende Schwärze, die nicht mehr genau alles erkennen lässt. Und es ist kühl.

Schade. Vor mir im Regal die Dose mit den Tabletten, unschuldig und wie ein Angebot. Harmlos? Nein. Vorsorge wäre getroffen, daß ich das Zeug auch ja nicht ausspucke, nachts, im halben Delirium. Alk ist auch genug da, es vergeht schließlich kaum ein Abend, an dem ich mir nicht einiges an Alk reinhaue, um schlafen zu können und die Gedanken loszuwerden. Wein, Wodka, Pitu, was halt grade so greifbar ist. Aber das sind so Dinge, die niemand weiß. Nebensächlich. Wichtig ist vor allem die Fassade, die nur im Geschriebenen Risse kriegt, oder manchmal bei Menschen von Angesicht zu Angesicht, die ich durch die Klinik nicht mehr belügen kann. Sie haben mich gesehen, als es mir richtig dreckig ging, sie kennen ein Stück weit meine Tricks. Und auch, wenn sie in Worten die Wahrheit hören, glaubt es niemand so hundert Prozent. Wie auch, wo ich doch nach außen einen so stabilen Eindruck mache? Immer wach, klar, kalkuliert, logisch und sich der eigenen Situation bewusst. Glauben mir deshalb ärzte, wenn ich beteuere, nein, ich habe keine Suizidgedanken, ja, ich bin froh, daß ich überlebt habe? Oder wollen sie die Wahrheit einfach nicht sehen?

Es gibt Augenblicke, in denen wünsche ich mir regelrecht, daß jemand kommt und mich einweist. Klar, ich würde mich wehren, und das sehr rabiat, es nicht einsehen, alles von mir weisen - und doch ist es vielleicht das Einzige, was mir ein Stück weit Entlastung bringen könnte - wenn ich noch Hoffnung hätte. Es gibt so viele Möglichkeiten, eine Einweisung mit Beschluß zu erzwingen. Aber was bringt es? Ich sehe keine Hoffnung mehr, ich glaube nicht, daß mir eine Klinik noch helfen kann. Und ein ambulanter Thera erst recht nicht, der würde mich doch direkt wieder nach Lutter schicken. Ich bin zu kritisch, zu sehr selbstgefährdend.
Meine Arme dürfte auch niemand sehen, die Schmerzen sind mittlerweile echt heftig - nicht beim Schneiden selbst, aber irgendwann später. Solche Wunden hätten mich in der Klinik wieder auf die Geschlossene gebracht, und das für mehrere Wochen. Hier draußen füge ich sie mir täglich zu, immer wieder neu, immer wieder tief, und es ist egal. Klar, alles entzündet, meine Werte sicher so schlecht wie in der miesesten Zeit auf der Offenen, damals, als sie mir täglich monatelang Valium und Eisentabletten gegeben haben, um das zu beheben. Sinnlos, draußen zerstör ich mich doch eh nur wieder selbst.

Gut, genug gejammert. Immerhin hab ich grad mal wieder einen realistischen Zukunftsplan, der vielleicht sogar funktionieren könnte - aber dafür muss ich mich erstmal informieren, und ob ich dafür die Kraft aufbringe, weiß ich nicht. Vielleicht irgendwann, in ein paar Tagen, eine halbe Stunde, bis ich doch nur wieder aufgebe.

Ach, scheiß drauf. Ich hau mir jetzt die Birne zu und schneide mir einmal mehr die arme auf, dann tu ich wenigstens die Tablettendose weg, die ich schon mal wieder in der Hand hatte. Einmal wieder.
Die nächsten Tage versuch ich, den ganzen Selbsthass und die Traurigkeit und Leere in mir drin halt anders zu katalysieren, zusätzlich zum Schneiden. Ich hab zu viel gegessen die letzte Zeit, Frustfuttern und Fressattacken. Also wird jetzt radikal abgespeckt, so weit, bis ich mich in meinem Körper wieder wohl fühle. Untergewicht - na und? Gibt schlimmeres. Hauptsache, ich schluck die Tabletten nicht.
Gute Nacht.
night shadow - 15. Apr, 15:14

mhm ... da bin ich also mal wieder ... oder so.

Einmal mehr ohne wirklich zu wissen, was ich schreiben soll und einmal mehr ohne zu wissen, wie ich helfen soll oder ob ich es überhaupt kann.

Und auch nach einer Viertelstunde nachdenken fällt mir nichts ein, was ich schreiben könnte, außer erneut das Angebot zu machen, dass du mit mir reden kannst, sollte das Bedürfnis da sein. Aber eigentlich ist das sowieso sinnlos, weil ich weiß, dass du es ohnehin nicht annehmen wirst.

Wie auch immer, ich bin in Gedanken bei dir und wünsche dir die nötige Kraft den Tabletten weiterhin zu widerstehen.

senzafine - 15. Apr, 22:19

Ich kann mich da leider nur anschließen... keine Ahnung, was ich sagen soll. Keinen Schimmer, wie ich mich Dir gegenüber verhalten soll, was ich überhaupt tun kann. Nur eines bleibt zu sagen, so wie Shadow schon schrieb - Du bist gewiß nicht alleine. Es gibt hier draußen vielleicht keine Unmenge, aber wenigstens eine handvoll Menschen, denen Du auf welche Art und Weise auch immer ans Herz gewachsen bist. Denen Du wichtig bist. Und welche Dich nicht missen wollen. Auch wenn der Kontakt zwischen uns in letzter Zeit recht spärlich war, so möchte ich, dass Du weißt, dass ich oft an Dich denke und immer wieder überlege, ob ich Dich einfach anrufen soll oder nicht. Weißt Du, ich möchte Dir ja auch nicht auf den Geist gehen, möchte Dich nicht bedrängen mit hohlen Phrasen, wie "das Leben hat doch noch soviel zu bieten", "setz Dir Ziele", "schau nach vorne und versuch das irgendwie in den Griff zu bekommen". Ich weiß selbst, dass sowas nicht mehr bringt als ein müdes Lächeln, ein zwischen den Zähnen hervorgepreßtes "Ja" und hinter der Fassade rollen die Tränen. Natürlich hoffe ich, dass Du es schaffst vom Schneiden wegzzukommen, doch sei dies erstmal "nebensächlich", ist es mir doch wesentlich wichtiger, dass Du nicht zu den Tabletten greifst. Und bitte versuch mir einen Gefallen zu tun - laß auch die Finger vom Alkohol. Der macht die Sache auch nicht besser. Und so hohl, wie das jetzt auch klingen mag, ich sprech nur aus Erfahrung. Habe selbst versucht, mit Hochprozentigem Schlaf zu finden. Doch besser gefühlt habe ich mich dadurch nicht, im Gegenteil.

Dafür, dass ich keine Ahnung hab, was ich schreiben soll, hab ich nu aber doch ne Menge sinnloses Zeugs vom Stapel gelassen... *köppi schüttel*

Naja, wie auch immer... fühl Dich gedrückt, Kleine! Schade, dass wir heute doch nicht telefoniert haben. War mir nicht sicher, ob ich Dich anrufen oder lieber auf einen Anruf von Dir warten sollte. Könnte ja sein, dass Du heute doch keine Lust auf telen hattest. Holen wir aber nach, ja? Vielleicht sehen wir uns ja morgen im MSN oder so...

So, Schluß jetzt. Genug dummes Zeugs geschriebselt.
Ich wünsche Dir eine Gute Nacht und süße Träume. Schlaf schön...

*gruß und kuss*


PS: ...grüß mir mal bitte die Nina =)
Hab schon ein schlechtes Gewissen, dass ich mich so lange nicht bei ihr gemeldet hab.

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